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Die Lakota-Sprache lernen

Lakota im Selbststudium

Ich selbst begann vor etwa 30 Jahren, aus persönlichen Gründen, mich für diese Sprache zu interessieren. Zunächst begann ich mit der Zusammenstellung von Wortlisten, die ich in Substantive, Adjektive und Verben unterteilte. Anfang der 70- iger Jahren gab es in Deutschland kein Material über indianische Sprachen und bis auf ein paar alte verstaubte Wörterbücher in Bibliotheken, gab es auch in Amerika kaum Lehrmaterial. In Ermangelung  vernünftigen Lehrmaterials begann ich damit wahllos Lakota - Wörter aus Indianerliteratur heraus zu schreiben und alpabetisch zu ordnen. In Unkenntnis über die verschiedenen Dialekte, war ich zunächst verwirrt von der unterschiedlichen Schreibweise der Lakota - Worte und vermischte somit in meinem "Privatlexikon" die Worte aus den verschiedenen Dialekten der Sioux - Sprache.

Trotzdem stellte ich beim Vergleichen verschiedener Häuptlingsnamen sehr schnell fest, dass die Lakota Adjektive und Verben den Substantiven nachstellten. Die wörtliche Übersetzung des Namens Mahpiya Luta (Red Cloud) heißt eigentlich nicht Rote Wolke, sondern Wolke rote.
Beim Namen Sitting Bulls, Tatanka Yotanka genannt, verhält es sich nicht anders. Es heißt also nicht Sitzender Büffel, sondern Büffel Sitzender.

Als ich dann Ende der 70 iger Jahre das erste Mal nach South Dakota reiste und Lakota in ihrer Stammessprache sprechen hörte, fiel mir der Unterschied in der Fragestellung zwischen Männern und Frauen auf. Die Männer beendeten ihre Frage mit "hwo" die Frauen mit "he".

Ich besorgte mir dann verschiedene Lexika und vertiefte meine Studien. Das war kein leichtes Unterfangen, denn die ersten Lexika, die mir über die Lakota - Sprache in die Hände fielen, waren Father Buechels Lakota English Dictionary und Joseph Karols Everyday Lakota - A Sioux Dictionary for Beginners

Obwohl mir beide Werke im Verlauf meiner Studien große Dienste geleistet haben, so halte ich sie nicht besonders geeignet für das Erlernen der Lakota - Sprache.

 

Wirft man z.B. einen ersten Blick in Father Buechels Lakota English Dictionary oder gar in sein Lakota Grammar, so findet man mehrere hundert, eng mit Schreibmaschinenschrift bedruckte Seiten vor, ohne Fettdruck oder sonstige Hervorhebungen, wie man sie von deutschen Sprachbuchverlagen her gewohnt ist.
Die Gliederung dieser Bücher läßt zu wünschen übrig. Sucht man zum Beispiel den Namen eines Vogels oder einer Pflanze, so findet man diesen nicht unter dem Anfangsbuchstaben des Wortes, sondern muss, ohne Hilfe eines Querverweises, unter dem Überbegriff Vogel oder Pflanze nachschlagen.

Viele Indianer und Nicht - Indianer mit denen ich über Buechels Werk gesprochen habe, hatten enorme Schwierigkeiten, sich darin zurecht zu finden. Mir persönlich ging es nicht anders. Ich habe Jahre gebraucht, bis ich gelernt hatte, effektiv mit Buechels Büchern zu arbeiten. Inzwischen ist eine neue überarbeitete Auflage auf den Markt gekommen, in der man sich auf Grund von Fettdruck und übersichtlicherer Gliederung besser zurecht findet.

Joseph Karols Everyday Lakota wurde ebenfalls eng mit Schreibmaschine beschrieben und auch hier wurde auf den Einsatz von Fettdruck oder Kursivschrift zur Unterscheidung zwischen Lakota und Englisch verzichtet. Auch ein Hinweis zur korrekten Benutzung des Wörterbuches fehlt. An keiner Stelle wird beispielsweise erwähnt, das bei Verben in der Lakota - Übersetzung zuerst die 3. Person Singular und dann die 1. Person Singular aufgelistet wird.

Der des Lakota nicht kundige Benutzer des Wörterbuches bemerkt in der Regel nicht, dass es sich um die Konjugation eines Wortes handelt und nimmt an, dass es sich um zwei verschiedene Übersetzungen eines englischen Begriffes handelt.

Ein Beispiel aus dem Buch :  Auf Seite 53 stehen als Übersetzung für das Verb "to play" die Worte "skata" (spielen) und "waskata" (ich spiele). Wenn man nun als Anfänger die Sprache der Lakota nicht oder nur wenig beherrscht, kann dies leicht dazu führen, dass man den als Erleichterung zur Konjugation gedachten Zusatz als eine andere Übersetzungsmöglichkeit missversteht und falsch anwendet.
Im Anhang des Wörterbuches findet man einige Seiten mit wahllos zusammengestellten Lakota - Sätzen ohne jegliche grammatikalischen Erklärungen. Auf Seite 88 (Mitte) finden wir zum Beispiel nacheinander aufgereiht die folgenden Phrasen nebst Übersetzung:

I saw                                         wanblake (ich sah)

We had                                     unyuhapi (wir hatten)

I have a problem                         wokakiye wan bluha. (Ich habe ein Problem)

I don't know                                slolwaye sni (ich weiß nicht)

Have you enough to eat ?            ota wayata hwo ? (hast du genug zu essen ?)



An keiner Stelle wird erklärt, dass "wanblake" auch "ich sehe" heißen kann und sowohl im Präsens, als auch im Präteritum benutzt werden kann. Mit dem Verb "unyuhapi" (wir hatten) verhält es sich ebenso.

In welcher Verbindung diese Sätze miteinander stehen, ist mir ein Rätsel, genauso wie ich Schwierigkeiten habe zu verstehen, wie man Anfängern (und das Buch wurde ja für Anfänger geschrieben) auf diese Weise erfolgreich Lakota beibringen kann. Es hat mich anfänglich auch Mühe gekostet, mit diesem Buch zu arbeiten.

Schlägt man dagegen ein in Europa hergestelltes Buch einer beliebigen Fremdsprache auf, so findet man didaktisch vernünftig aufeinander aufbauende Lektionen vor. Meist beginnend mit einer Lektion, in der Menschen sich einander vorstellen, nach Namen, Herkunft und Alter fragen, werden die Lektionen langsam im Wortschatz erweitert, vor allem aber wird auf eine verständliche und korrekte Grammatik Wert gelegt.

Dieses Prinzip versuche ich in meinen Publikationen und meinen Kursen anzuwenden, damit der Lakota -  Unterricht nicht zum reinen Auswendiglernen und Nachplappern von Phrasen verkommt.

Zwei rühmliche Ausnahmen bilden die Werke Lakota - A Language Course For Beginners vom Oglala Lakota College und Lakota Language 1 von David Mathieu und Bertha Chasing Hawk von der Black Hills State University in Spearfish.

Beide Bücher beginnen mit einer einführenden Lektion über das Vorstellen von Personen und werden langsam im Wortschatz erweitert. In beiden Büchern werden verschiedene Verben durchkonjugiert, was dem Lernenden eine Vorstellung vermittelt, wie im Lakota Verben konjugiert werden. Die Grammatik wird verständlich und einfach erklärt.

Ich persönlich würde dem ersten Titel, auf Grund seiner professionellen Aufmachung und übersichtlichen Gliederung, den Vorzug geben.

Leider habe ich diese beiden Bücher erst nach der Veröffentlichung meines Buches Lakota Wowaglaka erworben, so dass ich die Informationen dieser Bücher erst im zweiten Teil des Buches verwenden kann.

Wie lerne ich nun effektiv Lakota oder eine andere indianische Sprache ?

Zunächst einmal braucht man für jede Fremdsprache eine ganze Portion Motivation und Fleiss. Ohne diese beiden Dinge geht es nicht. Zuerst einmal muss man sich selbst fragen: Wozu will ich überhaupt Lakota lernen ?

Geht es mir darum, die Kultur und Lebenweise eines anderen Volkes besser zu verstehen, oder möchte ich einfach nur Kenntnisse einer exotischen Sprache erwerben, um vor anderen ein bisschen zu prahlen ?

Karl May zum Beispiel schrieb 1894 an Carl Jung: "Ich spreche und schreibe: Französisch, Englisch, Italienisch, Spanisch, Griechisch, Lateinisch, Hebräisch, Rumänisch, Arabisch sechs Dialekte, Persisch, Kurdisch zwei Dialekte, Chinesisch zwei Dialekte, Malayisch, Namaqua, einige Sunda-Idiome, Suaheli, Hindustanisch, Türkisch und die Indianersprachen der Sioux, Apachen, Komantschen, Snakes, Uthas, Kiowas, nebst dem Ketschumany drei südamerikanische Dialekte. Lappländisch will ich nicht mitzählen."

(Quelle: Das große Karl May Lexikon, Seite 335, von M. Petzel, Lexikon Imprint Verlag)

Ich frage mich nach der Lektüre von Karl Mays Biographie, wann und wo er all diese Sprachen gelernt haben will. Selbst heute gibt es für die von ihm aufgezählten Indianersprachen keine deutschsprachigen Lexika und die Kiowa und Comanche sind gerade erst dabei ein Lexikon für ihre Sprachen in English zu erstellen. Die Apache haben erst vor kurzem ein Lexikon in ihrer Sprache herausgegeben und was die Sioux betrifft, so scheint May wohl nichts von den verschiedenen Dialekten gewusst zu haben, denn sonst hätte er sicherlich, wie beim Arabisch, Kurdisch und Chinesisch alle Dialekte erwähnt.

Karl Mays Hochstapeleien sind leider kein Einzelfall. Auch heute noch finden wir in Deutschland Leute, die behaupten, Lakota zu können und versuchen andere Leute durch bloßes Nachplappern auswendig gelernter Phrasen zu beeindrucken. Sie übersetzen englischsprachige Lehrbücher ins Deutsche und verkaufen ohne zusätzliche eigene Leistung, das Wissen anderer.

Auch manchen Leuten aus meinem Bekanntenkreis mangelt es scheinbar nicht an Bescheidenheit. So erfuhr ich kürzlich, dass einer meiner ehemaligen Schüler, der in den Kursen nur mittelmäßige Leistungen erbrachte, Lakota neben Englisch als Fremdsprache in seinen beruflichen Lebenslauf erwähnte. Abgesehen davon, dass auch die Englischkenntnisse dieser Person zu wünschen übrig lassen, war ich doch ziemlich überrascht, bzw. auch erheitert über das "Selbstbewusstsein" meines Bekannten.

Wie dem auch sei, wenn es nur darum geht, andere Menschen zu beeindrucken, dann wird man nie die nötige Motivation aufbringen, Lakota zu lernen. Man wird dann nie über einige auswendig gelernten Phrasen hinauskommen und nichts dazu lernen. Vor allem aber wird man in dieser Sprache nicht kommunizieren können.

Und genau darum geht es, die Fähigkeit zu erwerben, in Lakota oder einer anderen Indianersprache zu kommunizieren. Fleiss ist dazu unerlässlich. Mehrmals wöchentlich sollte man sich in seine Studien vertiefen. Auch den Austausch mit anderen sollte man nicht außer Acht lassen.

Suchen Sie sich Briefpartner und schreiben Sie viel. Schreiben Sie kleine Anekdoten und Geschichten. Übersetzen Sie von einer Sprache in die andere. Bilden Sie Interessengemeinschaften mit Leuten aus ihrer Umgebung. Suchen Sie sich vernünftige Personen, mit denen Sie auf Lakota kommunizieren können.

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